Die Ersten Letzten Gletscher

VERSO 8 29.08.2025

"Scheiße Jackie, du blutest!" Als er sich aus ihren Armen hochraffte fühlte er sofort das Rinnsal auf seiner Stirn; die Hitze der Sommersonne staute sich darunter feuchtwarm an. Er blickte sich um. Der Einschlag des Knüppels hallte schwindelnd in seinem Kopf nach. Lederjacke um ihre Hüfte gebunden, ein Tropfen, Rot auf Schwarz. Sein Kopf wandte sich unter den präzisen Griffen ihrer Hände. "Ganz ruhig", hörte er sie sagen, "häng' dich einfach zurück, wasch das Blut ab…"

"Sally, es geht schon." Bevor er es wusste, hatte er sich aus ihren Armen aufgerafft und torkelnd auf die Beine geworfen. Jack richtete seinen Blick geradeaus auf die Polizeiabsperrung, und die Welt hörte langsam auf sich zu drehen. "Ich kenne mich mit der Polizei aus. Das war nur Panik, mehr nicht. Wird denen streng verboten. Das wird nicht noch einmal passieren." Stechende grüne Augen fixierten sich mit Anspannung auf seine. Ein leiser Fluch entwich ihr, Worte die er nicht verstand.

"Meinetwegen", grummelte sie ihm entgegen bevor sie ihn in die Reihen der Protestler voran schob, "dann lernst du es halt auf deine Art."

Jack tauchte ein in ein kleines Meer an Leuten, Massen an jungen Studenten gekleidet in sanften Erdtönen. Bunte Schilder reckten sich über die Köpfe mit Slogans wie "DEMOKRATIE JETZT — DIKTATUR NIE" Die Anspannung war unterschwellig, die Leute miteinander in leise aber stetige Gespräche verwickelt. In den hinteren Reihen, weit über der Masse an unbedeckten Köpfen, stand Deacon auf seinem Lautsprecherblock und blickte mit einer beunruhigenden Strenge unter seinem schwarzen Stetson hervor. Der Schweiß sammelte sich bereits glänzend an seiner Lippe, als er das Megafon wieder zum Mund hob.

„Zu lange wurden die Probleme der nächsten Generation ignoriert”, gröhlte er in seinem strengen Predigerton, „zu lange haben die Politiker sich nicht um die Leute gekümmert, die die Zukunft des Landes sichern! Es ist endlich Zeit, dass wir unseren Teil einfordern!”

Scharfe, hochtönige Zurufe im Stakkato aus dem Publikum.

Jack näherte sich der Reihe an Polizisten. Hinter der Barriere, im kühlen Schatten der Arkade, patroullierte ein großer, dürrer Offizier und blickte aus dem stählernen Rahmen seiner Sonnenbrille skeptisch auf die versammelte Mannschaft. Die Dienstmarke an seiner Brust glänzte zögerlich. Mit vorsichtigen Schritten passierte Jack die letzte Reihe und stand direkt vor dem stämmigen Insolaner, der ihm den Knüppel reingedrückt hatte. Der Mann erkannte ihn sofort; unter dem hochgeklappten Visier seines Helms warf er ihm ein unterdrücktes Grinsen zu.

Hinter ihnen ertönte ein lallender Schrei. Ein Karton Bierdosen flog über die Polizisten hinweg, sank in einem schwerfälligen Bogen ab und zerbarst kurz hinter der Kolonnade in einen formlosen Haufen aus feuchtem, blau-rotem Karton. Eine kurze, gespannte Stille. Dann, ohne Vorwarnung, brach die Mannschaft nach vorne aus. Der Insolaner warf Jackie sofort seinen Knüppel zu, dem er nur knapp auswich. Ungelenk krabbelte er rückwärts. Auf seiner Flucht schnappte er Sally auf, die ihn mit sich durch die Reihen zog. Als sie Deacon auf seinem Lautsprecherpodest passierten, blickte er mit Entsetzen in die Menge; eine Emotion, die sich bei ihm zeigte, indem seine selbstbewusst einstudierte Predigt durch einen ruhigen, stoischen Blick voraus unterbrochen wurde. Widerwillig kletterte er herunter und schloss sich ihnen an, während hinter ihnen die Rufe der Protestierenden nach und nach unter denen der Polizisten untergingen.

Schon von weitem war ihm klar, dass etwas in seinem Zimmer nicht stimmte. Die Tür stand sperrangelweit offen, und über die cremefarbenen Ziegel hallte ein unaufhörliches Wechselspiel von Rascheln und Klopftönen. Eine Tür weiter stand ein Pärchen eng umschlungen vor ihrer Wohnung; Jess Calico mit ihrem Freund. Sie beobachteten seine Wohnung besorgt aber regungslos aus der Distanz, als würden sie die Töne selbst mit Anspannung untersuchen. Kein Einbrecher also. Dabei würden sie hoffentlich nicht einfach so herum stehen. Er warf ihnen ein schnelles Nicken zu, dass sie kaum zu bemerken schienen, und betrat sein Zimmer.

Drinnen herrschte absolutes Chaos. Jede letzte Nische im Zimmer war aufgerissen worden, jede Schublade entfernt, jede Kommode von der Wand verrückt. Inmitten des Ganzen, eifrig damit beschäftigt, seinen Minikühlschrank zu durchsuchen, standen drei Leute: Zwei von ihnen waren Campus–Security, sichtbar untersetzte Miet–Polizei in Kevlarwesten und blauen Polohemden, wenig mehr als gepanzerte Buchhalter. Der dritte war Dekan Jeffries, der scheinbar mit nichts weiterem beschäftigt war als in gegebenem Abstand würdevoll neben ihnen zu stehen. Gelegentlich deutete er ihnen Suchvorschläge an, indem er mit seiner Hand nervös in die Richtung eines Möbelstücks wedelte.

"Ah, Jack!" Als er ihn sah, wurde sein Gesicht erleuchtet von einem jugendlich energischen Lächeln. Wie alt er tatsächlich war, fiel ihm auf, das wusste Jack nicht. Nicht viel älter als er selbst. "Ich dachte, du würdest zum Wochenende deine Eltern besuchen?"

Vorsichtig nahm er eine Dose Coke aus dem Kühlschrank und versuchte dabei unauffällig, den Wachmann zur Seite zu drängen. Er gab ein mageres Grohlen von sich, als er Jack mit grimmig eingezogener Augenbraue anblickte. "Die haben heute noch zu tun", antwortete er betont. "Ich fahre am Samstag."

"Oh." Obwohl sich der Ausdruck nach Überraschung anhörte, brach der Dekan nicht für eine Sekunde sein breites Grinsen. "Nun, ich wollte nicht, dass du von dieser Untersuchung gestört wirst, aber ich schätze, es ist kein großes Problem."

Jack verschluckte sich leicht an dem ersten kleinen Schluck Cola in seinem Rachen und musste sich einige Male laut räuspern. "Untersuchung? Werde ich jetzt etwa festgenommen, weil ich an Protesten teilnehme?"

"Oh, nein! Nein nein nein nein nein, natürlich nicht! Wir würden unsere Studenten nicht daran hindern, ihre ehrliche Meinung frei auszudrücken. Aber es ist nunmal so, Jack — du hast halt eine gewisse, ähh— Hintergrundgeschichte entwickelt."

"Was soll das jetzt heißen?"

"Die Eskalation bei dem Protest heute lässt dich nicht im besten Licht dastehen. Noch dazu treibst du dich dort nicht unbedingt mit den besten Leuten herum. Sagt dir der Name Sarah Wozniak etwas?"

"Sarah … Sally? Dean hatte eine Sally mitgebracht. Hat mich verarztet, nachdem ein Polizist mich getroffen hatte."

Jeffries nickte in kleinen, repetetiven Zuckungen, während er Jacks gut gesäuberte Schallplatte vom Regal nahm und in seinen Händen begutachtete. "Sie ist ziemlich gefährlich. Das liegt wohl in der Familie. Die Mutter hat jahrelang illegale Flüchtlinge aufgenommen, und Sarah hat sie dabei unterstützt." Er legte den pink-goldenen Pappschuber auf den Tisch und setzte sich neben ihm auf die Couch. "Keine Angst, Jack. Ich bin mir sicher, du hast nichts zu verbergen. Eine reine Sicherheitsmaßnahme, das ist alles."

Ohne ein weiteres Wort auszutauschen nahm er die Dose vom Tisch und verließ den Raum.

Die Stimmung in der Hacienda war an diesem Tag gespannt wie immer. Ein gutes Dutzend Leute ließ die Schmach der Niederlage über sich ergehen und fütterten die Atmosphäre stiller, zurückgehaltener Wut. Jack hatte sich an die Bar gesetzt; selbst die schlecht gekühlte Coke aus dem antauenden Kühlschrank waren eine willkommene Erfrischung nach einer Tracht Prügel unter der brennenden Sonne New Mexicos. Er stöhnte scharf, als Deacon ihm seinen Eisbeutel enger gegen an Stirn presste.

"Die Dinger bringen nichts, wenn du sie nicht vernünftig andrückst."

"Danke für den Ratschlag, Dr. Lazurnyj."

"Ich sag's ja nur", säuselte er ihm grinsend zu. Ohne Vorwarnung zog er seine Hand zurück. Das blaue Gelpäckchen wäre beinahe zu Boden gefallen, hätte Jack nicht seine Hand von der Theke aufgerissen. Nur knapp verfehlte er dabei sein Glas Coke. Mit einem Lachen klopfte ihm Deacon auf den Rücken.

"Kaum zu glauben, dass du immer noch nichts trinkst, Jackie. Wie lang ist es jetzt schon her? September?"

"Kaum zu glauben, dass du das Zeug trinkst", erwiderte er mit einem Blick auf Deans Glas. Der warm goldene Likör im Inneren hatte die Farbe von Tequila aber sonderte den stechenden, fruchtig-scharfen Geruch von Chili ab. Jedes Mal ließ es ihm die Augen tränen, wenn Deacon den Untersetzer vom Glasrand nahm. "Du kennst ja die alte Regel", erläuterte er. Mit einem scharfen Atemzug griff er den Hut von seinem Kopf und wischte sich mit der breiten Filzkrempe den Schweiß von der Stirn. "'Work hard, play hard'. Wenn man so viel macht wie wir, muss man sich halt auch Raum lassen, um wieder runter zu kommen. Und an einem Tag wie heute…"

Eine ganze Weile rückte Jack umher in der Hoffnung, eine schmerzfreie Position zu finden. Irgendwann fand er sie halbwegs, weit zurückgelehnt, so dass die Schwerkraft den Kühlbeutel natürlich auf seiner Stirn ausbreitete. Dadurch schnitt ihm zwar die Kopfstütze des alten, aus dünnem Pressholz zusammengezimmerten Schulhockers in den Nacken, doch das war bei weitem der geringere Schmerz. Er blickte sich um. Die üblichen Gesichter tummelten sich auf abgetragenen Bänken — Sperrmüll aus einer in den Boden unterfinanzierten Grundschule voll aufgeplatzter 70er Jahre–Holzvertäfelung. Nicht wenige waren bandagiert, hatten von trockenem Braun unterlaufene Pflaster im Gesicht oder unter den Hemden hervorstehende Bandagenwickel an den Armen. Genau das waren diejenigen, die sich meistens in Paaren zusammengerafft hatten, die Köpfe zusammengesteckt über den improvisierten Tischen aus Palettenstapeln, und in ihren Rudeln schockiert darüber berieten was genau eigentlich passiert war.

"In einer Woche ist die Abstimmung", murmelte er der Decke zu, wo die jungfräulichen Abdeckungen von Lüftungsschächten auf dem blanken Beton glänzten.

"Ja, das— wie nennen sie's? 'C.S.E.S.A.'?" Deacon presste seine freie Hand gegen den Kühlbeutel, so dass Jack sich wieder hochziehen konnte. "Das wird genauso scheitern wie T.I.H.S.A. letztes Jahr. Der Präsident steht vielleicht auf so was, aber die Landesregierung kriegen sie damit nicht rum. Wenn wir nur auf die Straße gehen, die immer und immer wieder damit nerven, dann werden sie sich das nicht trauen."

Jack legte den fast schon lauwarmen Beutel von seiner Stirn ab. Sofort brach ein konzentrierter Schmerz von seiner Braue aus, schoß durch seine Nerven bis in den Nacken und verebbte wieder. Mit einem gequälten Lächeln hob er sein Glas und reckte es seinem Freund entgegen. "Das nehme ich mal als Versprechen."

"…Und als ich ihn mit dem Blaulicht an die Seite gewunken habe, kam er mit einem Gürteltier aus dem Wagen raus!" Geschmackvolles Gelächter am Küchentisch. Jacks Vater grinste, ein kaum merkbares Aufbäumen der Mundwinkel unter seinem dichten, sauber getrimmten Schnurrbart.

Wie zu jedem Besuch hatten seine Eltern ein regelrechtes Festmahl eingerichtet, Chili auf Reis, Quesadillas mit Salsa und Caldito — alles serviert auf dem bunt glänzenden Fiesta-Geschirr, das den Großteil des Jahres im Schrank verbrachte.

"Und bei dir, Ma?"

"Ach, Anwälte haben heutzutage immer gut zu tun." Verspielt streichelte sie ihm durch das Haar. "So wie auch selbstlose junge Männer."

Mit einem nachhallenden Kichern schenkte seine Mutter Cola in den safranroten Keramikbecher nach. "Also, was hast du diese Woche so gemacht?"

"Ach, hauptsächlich gelernt, Recherche in der Bibliothek. Zum Ende des Jahres stehen dann ja die Abschlussarbeiten an, also bereite ich schon mal mein Thema vor, entscheide zwischen ein Paar verschiedenen Möglichkeiten, so was halt. Wir hatten noch ganz nette Vorlesungen in Politikmanagement, Öffentlicher Verwaltung. Und gestern hatte ich mich dann noch mit ein Paar Freunden getroffen." Jacks Vater hob anmahnend den Löffel in seine Richtung. "Ich habe gehört, bei eurem Protest gab es ein paar Probleme?" Dieser Blick in den Augen, das zurückgehaltene Zukneifen das einem sagt, dass er genau auf den nächsten Satz achtet.

"Ja, irgend so ein betrunkener Idiot hat einen Bierkasten auf die Polizisten geworfen. Sind dann natürlich etwas wütend geworden." Jack fuhr sich mit der Hand durch das Haar und tastete dabei unauffällig nach der Narbe über seinem Auge. Sie schmerzte immer noch bei der Berührung, ein kleiner, brennender Schmerz wie Seife auf einer offenen Wunde. "Aber … das war's auch. Niemand verletzt oder so." Sein Vater entließ seine Mundwinkel aus ihrer strengen Anspannung. Seine Mutter nickte langsam und wallend und ließ ein entspanntes Lächeln auf ihren Lippen erwachsen. Zum Glück hatte ihm Jess etwas Schminke für die Narbe geborgt. Kein Problem, hatte sie ihm gesagt, sie selbst müsste das nach dem Protest genau so machen, wenn sie zu Hause vorbeischaut.

"Alles OK?", fragte Jack. "Dein Essen wird gleich kalt."

Ein leichtes Nicken, seelig und ruhig. "Ich wollte dir nur sagen, wie stolz ich auf dich bin. Als wir vor all den Jahren mit dir über die Grenze geflohen sind … wir hatten solche Hoffnungen." Ihr Blick schweifte ab, über seinen Kopf hinweg, und haftete sich für eine stille Sekunde an das Fenster zum Garten. Draußen raschelte der Wind leise durch die Akazien. "Und ich hätte mir nichts besseres wünschen können, als dass du zu einem derart intelligenten, selbstbewussten jungen Mann heran wächst. So viele Jungs in deinem Alter gehen mit Zorn und Hass durch ihr Leben. Aber du bist so … so wunderbar sanftmütig, so nachsichtig."

"Ihr habt's mir halt gut beigebracht," erklärte er ihr mit einem breiten Lächeln. Ein schrilles, bauchiges Lachen brach aus ihr hervor. Sie zog ihn fest an sich heran, sein Kopf warm eingenistet zwischen Kinn und Schulter. Vager Geruch von Bratfett, übertönt von Patchouli und Zitronengras. Die Moschusfahne seines Vaters näherte sich von hinten an und brachte seine stämmigen Arme um Jacks Schultern, die ganze Familie ein wohliger Knoten, lachend, freudig, warm.

Montag Morgen. Eine neue Woche, ein neuer Protest. Eine Uni irgendwo in Las Cruces, von der Jack noch nie zuvor gehört hatte. Jemand hatte ihm in einer seiner Vorlesungen davon erzählt, der Freund eines Freundes, dessen Freund dort Maschinenbau studierte. Letztendlich war das auch egal. Wichtig war nur, dass die Unileitung den gesamten Studierendenrat suspendiert hatte, nachdem sie sich gegen eine Verpflichtung zum täglichen Vortragen der Nationalhymne gewehrt hatten. Damit kannte er sich aus, und dafür kannte er die richtigen Leute.

Deacon hatte sich wie immer in die hinteren Reihen verpflanzt. Doch obwohl sich die aufgewogene Menge bereits vor der Polizeiabsperrung zusammengefunden hatte, stand er noch immer unbeteiligt neben seinem Lautsprecher, die Hand mit dem Megafon schlaff an der Seite hängend.

"Alles OK?" Vorsichtig näherte sich Jack von der Seite an und legte ihm die Hand auf die Schulter.

Deacon zuckte zusammen. Er hatte wieder diesen Blick in den Augen, dieses entrückte, stoische Anstehen gegen die Angst. Kaum merkbar biss er sich von innen auf die Unterlippe. "Etwas nervös", entgegnete er mit einem wiederholten, mantraartigen Nicken. "In letzter Zeit sind die Proteste so häufig aus dem Ruder gelaufen. Gibt einem zu Denken."

"Ganz ruhig. Wir wissen, was auf uns zukommt, und wir sind darauf vorbereitet. Heiz' du einfach die Menge an. Ich entschärfe die Lage, guck' dass die Leute nichts Gefährliches dabei haben. "

Deacon schnaufte laut aus und ließ ein unpoliertes Grinsen unter seiner breiten Hutkrempe erwachsen. Mit einem lauten Ruf durchbrach er das Gemurmel der Menge, bevor er sich behände auf das schwarzlederne Lautsprechergehäuse schwang. "An diesem Tag werden wir gehört werden!", dröhnte sein einschneidender Tenor über die Köpfe der Leute. "An diesem Tag werden wir nicht schweigen!"

Schon sehr bald beneidete Jack ihn um seine Aufgabe. Die Hitze der letzten Tage hatte sich etwas gelegt, doch der trockene Sandboden war durch einen Platzregen aufgebrochen worden und bildete nun einen rutschigen, bröckelnden Film auf den steilen Hügeln der Stadt. Immer wieder erklomm er die Anhöhe, an deren Gipfel der Campus lag, immer wieder rissen Stücke des Bodens unter seinen hauchdünnen Turnschuhsolen ab und ließen ihn beinahe den Hang hinunter stolpern.

Mit vorsichtigen Bewegungen lief er endlich die vorderste Reihe ab, direkt vor den wachsamen Plexiglas–Visieren der Polizisten. Viele Gefährder hatte es nicht gegeben, doch diese wenigen waren schwere Stücke gewesen, mit denen sich kaum verhandeln ließ. Etwas traf ihn am Fußgelenk, weich aber ruckartig, und brachte ihn für einen Moment aus dem Gleichgewicht. Verdutzt blickte er hinunter auf den völlig ebenen Boden. Ein seltsames Prusten von einem der Polizisten. Jack machte sich wieder ans Werk. Beim zweiten Mal traf es ihn härter, riss ihm den Fuß unter den Beinen weg und ließ ihn rückwärts in die Arme der Polizisten fallen. Der Knüppel traf ihn diesmal, noch bevor er sich zu ihnen umdrehen konnte, und sofort schoss ihm ein kreischendes Piepsen in die Ohren. Blind und gelähmt wühlte er sich auf dem Boden. Als er seine Augen endlich aufschlug konnte er gerade noch wahrnehmen, wie sich der Platz geleert hatte. Spärliche Formen von Protestlern wurden aus dem dünnen Schlamm hoch gezerrt. Aus irgendeiner unbemerkten Ecke kam Deacon zu ihm herüber gelaufen und zog ihn an seiner Schulter mit sich. "Komm", rief er ihm mit ruhiger Resignation ins Ohr, "wir sollten hier weg, bevor die uns bemerken."

"So'n ekliges Zeug."

Aus dem Rande seines Blickwinkels bemerkte er, wie Sally zu ihm hinüber gierte. Sie nahm einen Zug aus ihrer Bierflasche, so geschmeidig als würde sie einatmen, bevor sie ihm mit regungsloser Miene fragte, "Was ist? Pepsi statt Coke gekriegt, Milchbubi?"

Ein kehliges Lachen brach prustend zwischen den dunkel violetten Lippen hervor, als Jack sie mit einem Ausdruck ratloser Verwunderung anblickte. "Na, du wirst hier super rein passen," grummelte er ihr leise entgegen.

"Sorry, das war vielleicht etwas fies. Ist halt einfach etwas seltsam—"

"Dass ich nicht trinke. Ja, ich weiß." Er stellte seine Cola ab und warf die offene Hand verkrampft in Richtung des Fernsehers, der hinter der Bar auf einem dünnen, behelfsmäßig angeschraubten Regal aus Pressholz balancierte. "Ich meinte die Show, American Test!"

"Ist das das Ding wo Migranten um Visa spielen?"

Ein zurückhaltendes Nicken. "Ich meine, was ist das denn für eine kranke Scheiße? Da lassen sie Leute durch Hindernisskurse laufen, die gerade zu Fuß durch mehrere Länder gereist sind, um—"

"Du machst da auch keinen Unterschied."

"Was meinst du?"

Sally setzte ihre Flasche auf dem Tresen ab, so hart, dass der Bierdeckel den sie geflissentlich ignorierte, einen Sprung machte. Zischend stieß sie die Luft aus ihrer Nase aus. "Du hast die alte Masche immer noch nicht verstanden. Was denkst du bringt dir die ganze Aufregung? Du redest darüber, oder? Du regst dich darüber auf. Das ist schon alles, was die wollen. Verstehst du's nicht? Ob dir das gefällt, ist egal. Wenn du dich überall darüber beschwerst, dann wird es auf jeden Fall jemand erfahren, der es total geil findet. Und dann wird das einfach immer weiter so gehen." Etwas war aus ihr herausgebrochen, das Jack zuvor noch nie gesehen hatte: Hingabe, ungeblümt, keine Spur der schützenden Distanz des Egalseins. Schleppend stöhnte sie den letzten Rest des Feuers aus sich aus und sank ruhig auf die Theke zurück. "Spar dir den Atem für die Straße. Da draußen kannst du wenigstens was bewegen. Hier drinnen ist es nur verbrauchte Luft."

"Warum bist du hier?" Ihr Kopf schnallte hoch, der unsichere Blick sofort auf ihn gerichtet. Es war eine instinktive Frage gewesen, ganz simpel; ein Gedanke der mit einem solchen Brand durch seinen Kopf kreiste, dass er sich von selbst den Weg nach draußen gebahnt hatte. Keine Kontrolle. Einige Sekunden lang ließ er ihren analytischen Blick über sich ergehen. Dann lehnte sie sich mit einem unbestimmten Murmeln in ihren Stuhl zurück. "Der selbe Grund wie du, schätze ich. Du hast deine Finger hier in allen Kuchen, nicht? Beobachtest alles aus der Vogelperspektive. Du hast eine Vorstellung, wo das alles langgehen soll."

"Und du auch?"

Kurz blickte sie an ihm vorbei, hinaus zum Fenster. Ihre Unterlippe war zwischen die Zähne eingesaugt. "Ihr müsst von eurem hohen Ross runterkommen."

"Was?"

"Jackie, wie viele Studenten sind in eurer Gruppe, 50 Leute? Natürlich habt ihr keine Chance gegen die Bullen. Noch dazu seid ihr alle nur fein aufgemachte MBAs; ihr habt niemanden mit der richtigen Erfahrung wenn's hart auf hart kommt. Wenn ihr nicht mehr Leute ansprecht, dann war's das mit euch."

Ohne Widerspruch wandte sich Jack von ihr ab. Wortlos drehte er sich zur Seite hin weg, sein Blick gefangen am dünnen grauen Wedderburn Construction–Logo, das die zurückgelassenen Betonsäcke zierte.

Sally nahm ihre Flasche in die Hand und stellte sie auf den Untersetzer. "Denk' einfach mal drüber nach, ja?"

Der Atem staute sich in seiner Brust, zuckend und elektrisch. Zwei Stunden lang standen sie nun schon auf dem schwelenden Asphalt, zwei Stunden unter den wachsamen Augen der Polizei, und nichts war passiert. Die ganze Formation war regungslos; ihre Blicke schienen so starr voraus auf den Horizont gerichtet, dass es ihn beunruhigte.

Weit hinter ihm, in den Straßen jenseits des Walls den das Unigebäude bildete, wurde eine Autotür lautstark in den Rahmen geworfen. Jack drehte sich um und blickte über die Menge hinweg. Reporter in fein sauberer Business Casual–Couture positionierten sich am Rande des Gewimmels und ließen ihre teuren Studiokameras dramatisch über das Meer an Schildern schwenken; jede Woche schien es dichter und farbenfroher zu werden. Nur Deacon stach wie ein kohlschwarzer Strommast aus der Woge hervor. "Entschuldigung?", rief jemand aus der Gruppe. "Gibt es hier irgendwelche Organisatoren? Irgendjemand der sich zu den Protesten äußern möchte?"

Mit einem steifen Atemzug wischte sich Jack den Schweiß von der Stirn. Öffentlichkeitsarbeit. PR. Großer Moment. Showtime. Mit einem kurzen Wink zog er ihre Aufmerksamkeit auf sich.

"Sind sie der Veranstalter?", fragte ihn eine junge rothaarige Reporterin. "Vorsitzender, Vereinsinhaber?" Viel älter als er konnte sie nicht sein. In den Dreißigern höchstens.

"Organisator, schätze ich. Einer von vielen", erwiderte er und warf ein kurzes Nicken ein, energisch und starr. Alter Ratschlag von Mama. Enthusiasmus und Selbstkontrolle zeigen. "Wir haben nicht—"

"Ist gut, das passt schon." Schnelle Handzeichen an den Kameramann, während sie sich von ihm abwandte.

"Ich befinde mich beim aktuellen Protest der Gesellschaft Demokratischer Schild. Die Proteste der Vereinigung haben über die letzten Monate beträchtliche Aufmerksamkeit erhalten, da es dort zu wiederholten gewalttätigen Ausschreitungen gekommen ist. Heute sprechen wir mit den Köpfen der Allianz, um diese schreckliche Gewalt zu ergründen." Sie drehte sich wieder zu ihm um. Ein kontrollierter, unterbetonter Ausdruck von beiläufigem Interesse hatte sich auf ihr Gesicht gelegt. "Der heutige Protest läuft deutlich friedlicher ab als die vorherigen", merkte sie an. "Woran liegt das?"

"Nun, jede Form von Gewalt bei unseren Protesten stammt rein von außen. Ich schätze, die Anstifter haben es sich noch einmal anders überlegt."

"Denken sie, diese Proteste laufen zwangsläufig auf eine gewalttätige Eskalation hinaus?"

"Was? Nein, nein, natürlich nicht." Mit einem schnellen Griff lockerte er den Kragen seines Anzughemds, das ihm nun sehr viel wärmer vorkam. "Lassen sie mich an dieser Stelle ganz klar sein: Diese Themen liegen uns sehr am Herzen. Der drohende Abbau demokratischer Freiheiten betrifft uns alle. Aber ich spreche für alle Teilnehmenden, wenn ich sage: Wir wissen, dass Gewalt uns kein Gehör verleiht. Wir werden die geschätzten Senatoren davon überzeugen, unsere Position zu sehen, und mehr nicht."

Der Kameramann hatte sein Gesicht bereits von ihm abgewandt. Nur beiläufig warf er noch einen Blick auf den kleinen Bildschirm, während er mit einem frustrierten Prusten über die Menge guckte.

"Nun, vielen Dank für ihre Zeit." Ein schnelles Blinzeln in ihrem Gesicht, das Zukneifen müder Augen. "Wir, ähm… wir werden uns erst noch einmal andere Teile der Veranstaltung ansehen."

Jack erwiderte ihr mit einem stillen, unsicheren Nicken. Ein letztes krummes Lächeln; die Reporterin wandte sich von ihm ab um ihr Team näher an die gemäßigt grohlende Menge heran zu führen.

„Mr. Estevez?”

Jack blickte überrascht zum Podium auf. Spätestens seit der zweiten Stunde seines Vortrags fühlte er sich eingekerkert; nachdem er vierzig Minuten lang in der prallen Sonne vor dem Senatsgebäude auf seinen Termin warten musste, standen die Synthetikfasern seiner Socken voll Schweiß, der sich nun unangenehm juckend in seine Füße eindrückte. In den geliehenen Lederschuhen zog er immer wieder die Zehen ein, um seinen durchgetretenen Fußsohlen etwas Atemluft zu gewähren. "Entschuldigen sie, Frau Senatorin", sprach er mit höflicher Enttäuschung ins Mikrofon. "Anders als die erfahrenen Mitglieder des Senats" — an dieser Stelle ging er sicher, einen tiefgreifenden, bewundernden Blick in die ausschweifenden Ränge der Senatoren zu werfen — "bin ich es leider nicht gewohnt, derart tiefgängige Vorträge zu halten. Bitte sehen sie es mir nach, dass ich nicht ihre Ausdauer besitze."

Die Dame in der Mitte des Podiums warf ihm über die Gläser ihrer rahmenlosen Brille einen strengen Blick zu. "Fahren sie fort."

Jack bedankte sich mit einem energischen Nicken. Kurz lockerte er seine Schultern, bevor er seine Rede fortsetzte. "Worum es mir und den anderen Teilnehmern dieser Proteste letztlich geht, sind die grundlegenden individuellen Rechte. Wir glauben daran, dass jegliche Erhöhung der Sicherheit, die dieses Gesetz mit sich bringen würde, in keinem Verhältnis steht zu den schweren Einschränkungen der persönlichen Freiheiten, die damit ermöglicht werden. So beeindruckend die modernen KI–Systeme auch sein mögen, sie sind bei weitem nicht präzise genug, um ihnen die Entscheidung darüber zu geben, welche unserer Mitbürger einer invasiven Überwachung unterzogen werden sollen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass die versammelten Senatoren nur die besten Intentionen haben. Doch wenn sie an Ereignisse wie die Schlacht von Los Angeles zurückdenken steht es außer Frage, dass jeder zukünftige Senat diese Intentionen grauenvoll verkehren kann. Daher wollen wir alle sie darum bitten, gegen diesen Entwurf zu stimmen." Mit langsamen, bedachten Bewegungen ließ er sich auf seinen Stuhl nieder. "Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit", fügte er schnell hinzu. Ein letzter Blick über die Zuhörer; ein Lächeln, das dankbar aber nicht zu selbstsicher aussieht …

"Vielen Dank, Mr. Estevez." Die Senatorin legte ihre Brille ab und richtete das Mikrofon auf seinem langen Schwanenhals in unsicheren Verknotungen aus. "Die Anhörungen sind damit abgeschlossen", verkündete sie mit einem Blick hinunter auf ihre Papiere. "Die Senatoren werden nun zur Abstimmung zusammenkommen. Bitte finden sie sich vor dem Saal ein, Mr. Estevez."

Als er den Saal wieder betrat, herrschte ein leises aber beständiges Gerede. Beim ersten Hinhören hätte man es für das einfach zu vergessende Summen der Klimaanlage halten können, doch bei näherer Betrachtung wurde ihm schnell klar, dass sich die anwesenden Senatoren in kleinen Gruppen zusammengetan hatten, ihre Köpfe zusammensteckten und rege diskutierten. Mit einem widerhallenden Hammerschlag rief die Vorsitzende sie alle auf ihre Plätze zurück. "Die Stimmen sind ausgewertet", fing sie an zu verkünden, während zahlreiche Leute noch langsam durch die Reihen schlurften. Jack atmete tief ein und rollte in den Schuhen seine Zehen zusammen, während die Vorsitzende ihre Brille aufsetzte. "Die Jas stehen 38, die Neins 5. Die Jas überwiegen. Der C.S.E.S.A.–Act, Entwurf SB 3485, ist somit angenommen."

Die Kondenstropfen am Glas rutschten langsam herunter. Das war alles, worüber Jack gerade noch denken konnte. Nein, das war nicht wahr: in Wahrheit gab es viele, viel zu viele Dinge über die er gerade nachdachte. Die Tropfen am Glas waren nur das Einzige, worauf er sich wirklich konzentrieren konnte, der einzige Gedanke, den er im Entferntesten zu Ende bringen konnte. Ein Geruch riss ihn aus der Malaise, faulig und scharf; er wusste, dass es Deacon war, noch bevor er sich von der Theke aufriss und seine düstere Silhouette sah. "Jesus Christus", rief er ihm entgegen, "kannst du mit dem stinkenden Zeug bitte von mir weg bleiben ?"

Mit der abgestumpften Überraschung eines Haustiers blickte er ihn an. Schnell ließ er das Papierröllchen auf den blanken Gipsstein fallen und trat es mit dem Absatz seines Schnürstiefels aus. Ohne ein Wort auszutauschen zog er einen Stuhl neben ihn und bestellte einen Pertsivka bei dem hageren Medizinstudenten, der sich heute für den Thekendienst bereitgestellt hatte. Jack blickte ihn an, erdrückt vom Gewicht ihres gegenseitigen Schweigens. Kraftlos und erschöpft hing Deacon auf der Tischplatte. Die spärlichen Punkte verbliebenen Lacks funkelten im warmen Licht der Natriumlampen.

Der Kellner brachte ihm seinen Drink. In einem schnellen, zweifellosen Zug kippte er sich die Hälfte des Schnappsglases in die Kehle, bevor er endlich anfing zu sprechen. "Nicht gut gelaufen", stellte er affektlos fest. Mit trägen Augen blickte er hinunter auf seinen Mantel und wischte sich einen Aschefleck vom Kragen.

"Eine Katastrophe ist das", stellte Jack klar, "ein absolutes Disaster. Die idiotischen KI–Clanker werden die Erde unter ihren Füßen verbrennen. Für die ist jeder von uns und jeder der was mit uns zu tun hat schuldig."

Schweigend blickte Deacon an ihm vorbei, hinaus zum Fenster. Die gereizten, blutunterlaufenen Augen stachen aus seiner fahlen Haut hervor und schienen fast aufgebläht. Weit in der Entfernung, jenseits von Santa Fe und dem schier ewigen Flachland, das die Stadt umgab, senkte sich die orangene Abendsonne gegen den regungslosen Horizont. Er atmete ruhig ein, legte seinen Kopf auf die verschränkten Arme und schloss die Augen. "Warum werden die Dinge immer nur schlimmer? Warum macht nichts was wir tun einen Unterschied? So viele Monate, so viel Aufwand … und wofür? Wir kriegen keine Sympathie, keinen Respekt—"

Ein gurgelndes Keuchen entwich ihm und wurde so stark, dass er hochschnellte, um sich nervös auf die Brust zu klopfen. Jack drückte ihm die geschlossene Hand auf den Bauch und stieß sie einige Male ruckartig in seinen Brustkorb, bis er sich nach einem lauten Speien endlich beruhigte. Desorientiert wandte er ihm seinen Blick zu und bedankte sich.

"Jackie?"

"Ja?"

"Was werden wir jetzt tun?"

Dean lächelte ihn an, mager und siechend, und irgendwie wusste Jack, dass er hier etwas grausames erlebte, den Tod von etwas wunderschönem. Er nahm einen eiligen Schluck von seiner Coke, unterdrückte den aufsteigenden Schaum, der ihm den Rachen hoch schoss und suchte im aufkommenden Koffein-High nach einer Antwort.

Hass.

"Kämpfen", versicherte er ihnen beiden. "Wir müssen weiter kämpfen, härter und härter, bis sie uns nicht mehr ignorieren können. Irgendwann … irgendwann werden wir es ihnen heimzahlen."

Deacon warf ihm ein letztes, zufriedenes Lächeln zu, bevor er wieder erschöpft auf die Theke sank. Jack blieb an seiner Seite, über unzählige Stunden, bis die letzten Strahlen der Sonne verschwunden waren.

In Albuquerque ging langsam die Sonne auf. Vom Gipfel aus konnte er sehen, wie das immer steiler einfallende Licht seine dunklen Furchen durch die Straßen warf, tausende winzige Schatten, die wie Nadeln aus jedem Haus hervorstachen. Der Boden hatte gerade erst wieder zu trocknen angefangen und sonderte einen seltsamen Geruch ab, gammliger Schlamm und sonnenverbrannte Erde. Das quakende Zirpen einer Grille tönte irgendwo in seiner Nähe aus dem trockenen Gras.

Er bemerkte sie kaum, als sie den Bergpfad hochgeklommen kam; als sie sich neben ihm auf den von Regen und Sonne durchkerbten Baumstamm setzte, schreckte er unwillkürlich auf.

"Hey."

"Hey."

Zum ersten Mal, seit er sie kannte, hatte sie ihre Lederjacke ausgetauscht gegen eine kurze, bauchfreie Canvasjacke, die sich in den cremefarbenen Abendhimmel einbettete. An ihrer Hüfte baumelte eine winzige Handtasche, abgetragenes Kunstleder dessen Wunden speckig glänzten. "Vor'm Kongress ist es nicht—"

"Sally", unterbrach er sie, "die Konversation habe ich schon gehabt. Ich habe mich damit abgefunden und…" Mit einem trockenen Stöhnen ließ er den Kopf zwischen die Schultern fallen. "…und ich möchte wirklich nicht noch mehr darüber reden."

Still schweigend wandte sie sich von ihm ab und blickte hinunter auf die Dächer der Stadt. Aus ihrer Handtasche holte sie einen Flachmann heraus, ein kleines silbernes Fläschchen, und nahm einen hastigen Schluck. Einladend streckte sie ihn Jack entgegen.

"Nein danke."

"Du siehst wirklich fertig aus. Vielleicht könntest du das gerade ganz gut gebrauchen."

"Gerade jetzt kann ich das nicht gebrauchen." Erst jetzt merkte er, dass er vom Baumstamm aufgesprungen war und angefangen hatte in kleinen, nervösen Kreisen um ihn herum zu laufen. "Gerade jetzt kann ich nicht trinken, Sally. Du weißt genau, wie wichtig das hier ist. Jeden Tag versuchen die uns nieder zu trampeln, jeden einzelnen Tag. Und jeden Tag zählen die Leute darauf, dass ich hinter ihnen stehe. Ich brauche jede letzte Unze von meinem Verstand, um… um…" Ausgelaugt legte er sich auf den Baumstamm nieder. Die Sonne ging weiter unter, der Himmel wurde kälter und dunkler. Das Zirpen der Grillen war inzwischen verstummt.

"Warum willst du dich plötzlich treffen?", fragte er sie, ohne den Kopf zu heben. "Du wolltest mich nicht einfach nur trösten, oder?"

"Willst du das wirklich durchziehen?"

Jack richtete sich wieder auf. Die höfliche Melancholie war ihrem Gesicht entwichen. Sie blickte ihm nun durch eine kalte Maske entgegen, ein fremdes Artefakt. "Was meinst du?"

"Willst du, dass dein Protest funktioniert?"

"Ja. Ja natürlich. Absolut."

Aus dem Inneren ihrer Jacke zog sie einen kleinen Flyer hervor, grobes Druckerpapier, die Farben händisch mit Wasserfarbe aufgemalt. Über unsauber ausgeschnittenen Bildern von Protestlern prangte in handgeschriebenen Buchstaben 'AMA — Aktion Menschliche Arbeit'. "Komm zu unserem Protest. Du solltest mal sehen, wie es auf der anderen Seite läuft."

"Diese Anti–KI Sachen? Das machst du an deiner Uni?" Jack faltete das rissige Papier zusammen und steckte es in seine Hosentasche. "Das ist dein Ding, Sally, ich—"

"Komm' einfach mit und guck es dir an, ja? Du könntest wirklich was dabei lernen."

Stöhnend blickte er zum Himmel auf. "OK. Ich werde da sein."

Sie antwortete ihm mit einem Lächeln. Der Ausdruck machte ihn schwindlig. Einige Minuten lang blickten sie noch zusammen auf die verschwindenden Schatten hinaus, bevor Sally zu ihrem Auto zurückkehrte. Kälter. Die Welt wurde wieder kälter.

"Ein Bisschen anders als dein üblicher Freitag, oder?", rief Sally ihm durch ein unvertraut gelöstes Grinsen zu. In den Wogen des Getümmels wurden immer wieder Körper zwischen sie gezwängt. Ein ums andere Mal verlor er sie aus den Augen. Die Wärme war erdrückend. Stickige, schweißsaure Luft stieg auf von der untrennbaren Masse an Fleisch, die sich aus jeder Richtung in ihn hinein presste. Jeder Atemzug war ätzend, erstickend, hassend. Die Absperrung der Polizei engte den Platz, einen kleinen Vorhof eines einzelnen Regierungsbüros, noch mehr ein und presste sie eng gegeneinander. Einen Überblick gewann er nur langsam, stückhaft, in hektischen Blicken zwischen Stößen.

Die Leute hier waren kaum zu vergleichen mit der Menge, die jeden Tag auf seinem Campus zusammen kam: Hier kannte er niemanden. Alles war vertraut und unbekannt. Jede erdenkliche Art von Leuten war hier, Leute die er vielleicht am Rande seines Lebens wahrgenommen hatte: Punks in schon beim Angucken glühend heißen Lederjacken, Trucker in verblichenen Discounter–Shirts, unbeachtliche Frauen im mittleren Alter. Auch hier gab es Schilder, doch die Ähnlichkeiten endeten mit dem Wort selbst. Die Reklamen bildeten hier kein buntes Meer. Nur einzelne klapprige Pressholzplatten ragten über die Köpfe. Die Nachrichten waren kurz, laut, klares Schwarz auf Weiß. 'ICH ODER DIE MASCHINE', 'ARBEIT FÜR MENSCHEN', Gedanken, Strom. Ein Schrei erwachte in der Menge, brach aus den vordersten Reihen hervor und wälzte sich über die Köpfe hinweg, erstarkte aus jeder Kehle aufs neue. Was er hier fühlte war befremdlich, eine Situation über die er alles und nichts zu verstehen schien.

Was als nächstes passierte, konnte er kaum glauben. Es brauchte ein paar unsichere Blicke bis er sich sicher war, denn es war eine dermaßen heimliche und versteckte Veränderung, dass man sie mit beiläufigem Blick kaum erkennen konnte: Die Reihe der Polizisten dünnte sich aus. Die bekannten Gesichter, die sich über die letzte Stunde in sein Gedächtnis eingeprägt hatten, verschwanden nach und nach aus der starren Flanke. Nun bemerkte er die Lücken zwischen den schwarzen Ballistik–Panzern, die eindeutig größer waren als zu Anfang. Jemand griff sich im schweißgenässten Stoff seines Polohemds fest. Sally zog sich an ihn heran, so nah, dass er die Adern in ihren Augen sehen konnte. Die Unsicherheit in ihren Augen hielt nur einen Sekundenbruchteil, bevor sie ihre Lippen auf seine gepresst hatte. Ein sanftes Wiegen, Zittern aus den Tiefen der Muskel. Ein lebendiges Gemisch von Geschmäckern, Kaugummi, Zigaretten, Bratfett. Der Rausch der Erfahrungen erfasste ihn, rief ihn aus seinem Körper heraus.

Ein schrilles Kreischen in ihrer Nähe, sie drehte sich um. Auf einer Bank aus dunklem Kirschholz, keine drei Meter neben ihm, stieg ein junger Mann mit slawisch kahlem Kopf empor und reckte trotzig die Faust. "Verreckt, ihr feigen Säue!", rief er aus aufgeplatzten Lippen hervor.

Sally streckte den Arm im Einklang aus. Er spürte, wie die Hand an seinem Hemd zusammen krampfte. Wortlose Schreie entkamen ihr, die von einer anderen Person zu stammen schienen. Ein zweiter Rausch überkam ihn, der ihn endgültig von seinem Körper entrückte und die Szenerie weit weg und dumpf schienen ließ. Es war der Moment, in dem Jack es realisierte. Er hatte einen Protest erwartet. Doch was hier geschah, war etwas sehr anderes. Das hier war kein Protest. Es war ein Ereignis, eine Bestimmung, eine Familie. Das hier war eine Heimat.

Etwas hatte sich geändert in der Hacienda; die Leute waren unbeschwert. Die Bauruine am Rande der Stadt war erfüllt von Musik, die schwüle Sommerluft elektrisch geladen von dröhnendem Bass und ekstatischen Zwischenrufen, die irgendwo zwischen den lichten Zypressen verhallten. Die Leute feierten zusammen, Haufen junger Körper ineinander geschlungen, tanzend, lachend, küssend. Er konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Ein schöner Anblick. Eine hübsche Vorstellung. Jack nahm einen Schluck von seiner Coke und spürte die kalte Strömung in seinem Rachen, den perlenden Schweiß auf seiner Stirn, die Wärme der aneinandergepressten Masse. Hinter geschlossenen Augen saß er wieder im Matador, verlegen und unerfahren, der Neue aus dem Süden, den die anderen Studenten auf die Tanzfläche ziehen müssen. Wenn er genau hinhörte klangen die Lieder dieser Nacht aus den batteriebetriebenen Lautsprechern nach.

"—Abstimmung wird für nächste Woche erwartet. Das als P.H.A.R.A. bekannte Gesetz würde strikte Verhaltensregeln für Proteste festlegen, bei deren Bruch Gefängnisstrafen von bis zu 3 Monaten ausstehen."

Die blechern schallenden Ankündigungen aus dem Fernseher rissen ihn in die Realität zurück. Es hatte keinen Sinn. Das Matador war längst geschlossen, von den Behörden in die Enge getrieben weil es der Treffpunkt für Studenten war. Diesen Ort gab es nicht mehr. Diese Zeit gab es nicht mehr. "Morgen und Morgen und Morgen…"

Jack wusste leider, woher die gute Stimmung plötzlich gekommen war. Aufrechte, weltbewusste Studenten wie sie alle waren, wussten sie natürlich, dass vor Monaten die erste große Lieferung Fentanyl in den Staat geschmuggelt worden war. Und weil sie das waren, hatten sie sich alle gegenseitig versichert, dass sie so etwas nicht anfassen würden. Drei Monate und zu viele enttäuschte Hoffnungen später — und der Großteil des Hauses war auf Fent. Die unbedruckten weißen Pappkartons zierten fast jeden Tisch wie Salzzstreuer. Ein Asiatin aus der Oberstufe hatte das Puder unter der Nase hängen, als sie einem hageren Skandinavier schnaufend zwischen die Beine tauchte. Und Deacon … Deacon lag nur dort in seiner Ecke, regungslos bis auf den Rauchwimpel, der von seinem Joint herauf waberte. Ein junges blondes Mädchen schüttelte ihn am Arm, das Jack hinter hervorstehenden Knochen und blutdurchschossenen Augen gerade noch als Jess Calico erkannte. Sie rief ihm seinen Namen ins Ohr, klatschte ihm durch's Gesicht, doch er tat nichts, einfach nichts, lag nur da mit diesem toten, glubschäugigen Blick der die ganze Welt durchbohrte.

Je länger er die Tragödie vor sich betrachtete, desto mehr schien ihm das Gehirn in einen bizarren Tunnelblick zu verfallen. Seine Augen konnte er nur noch vorwärts richten, direkt auf die Hölle in seiner Nachbarschaft. Und sein Verstand stimmte sich ein auf einen einzigen Gedanken: Hass, Hass auf das was er vor sich sah und Hass auf diejenigen, die es zu verantworten hatten. Dann, sehr plötzlich, zerrte ihn eine unerkannte Nebensächlichkeit in die Realität zurück, die ihn in einem Sekundenbruchteil übermannte. Mit einem lauten Knall, den niemand bemerkte, fiel Jacks Kopf auf die Theke. Die Muskeln in seinem Gesicht verkrampften sich, spannten sich zu harten Furchen an, bis es ihm in jeder Pore schmerzte. Hass, Hass. Er schrie etwas, wortlos, das unter dem Grölen der Lautsprecher versackte. "Jesucristo", wimmerte er in die Lache seiner Tränen, "lass es bitte— ich kann nicht mehr. Lass es aufhören, bitte…"

"Jack? Was ist denn los mit dir? Du hast kaum gegessen."

Die Spülmaschine war kaputt. Da war er sich ganz sicher. Auf all den Geschirrstücken hing ein eigenartiger gräulicher Schleier, der ihre fröhlichen Farben kalt und entsättigt aussehen ließ. Warum hatte seine Mutter das nicht bemerkt? "Alles OK, Ma. Wirklich. Es ist nur …" Eine seltsame Sache eigentlich; wie grausam die Welt scheinen kann, selbst wenn man gutes Essen auf strahlend buntem Porzellan vor sich hat, mitten in einem schönen, ruhig gelegenen Einfamilienhaus. Verkniffen schüttelte er den Kopf, um den plötzlichen Knoten in seinem Hirn zu lösen. "Die Abschlussarbeit hat mich ziemlich durchgenommen. Jobangebote gibt es noch keine. Und mit den Protesten wird es immer nur schwieriger. Seit der Sache mit C.S.E.S.A …"

"Schon gut, Jackie. Alles gut." Ein Lächeln legte sich auf ihr Gesicht. Langsam war er sich nicht mehr sicher, was es ihm sagen sollte. "Ihr habt euch gut geschlagen, alle von euch. Man kann halt nicht alle Schlachten gewinnen, aber ihr könnt immer noch den Krieg für euch entscheiden."

"Nichts ist OK, Mom! Wir haben nichts gewonnen, gar nichts! Kein einziges Mal haben sie irgendwelche Zugeständnisse gemacht!" Schnell blickte Jack zum Fenster hinaus, hoch zur Sonne, um die aufkommenden Tränen zu unterdrücken. "C.S.E.S.A. war ja nur der Anfang. Dann kam P.N.T.H.O, N.E.T.S.T … und P.H.A.R.A lässt sich auch nicht mehr aufhalten. Es ist— es zehrt mich einfach so sehr auf."

"Was ist mit deinen Freunden? Vielleicht haben die ja eine Lösung für dich."

"Die Anderen haben alle schon aufgegeben. So zugedröhnt dass sie einem kaum noch zuhören. Und ich—" Er wandte sich wieder dem Esstisch zu. Die schnell kalt werdende Pozole setzte eine matte Schicht an der Oberfläche an. "Ich weiß einfach nicht mehr, warum ich das noch durchhalte. Ich höre damit auf. Sofort."

Es war still in ihrem Hinterhof. Die Akazien raschelten nicht mehr.

Seine Mutter schloss die Augen und nahm einen kurzen, ruhigen Atemzug. Dann legte sie zärtlich ihre Hand auf seine. "Wie wär's damit:", schlug sie in großmütterlich sanftem Ton vor, "Zeig' dem Gouverneur eine große letzte Geste für die Unterzeichnung von P.H.A.R.A. nächste Woche. Die aufwendigste, eindrücklichste Veranstaltung, die ihr bis dahin auf die Beine stellen könnt. Dann könnt ihr euch wenigstens nicht sagen, dass ihr nicht alles versucht hättet."

Große Geste. Die Worte hallten in seinem Kopf wider, und am Boden ihrer Furchen enthüllte sich eine grausame, unausweichliche Vorstellung, die sich mit jeder Umdrehung tiefer in seinen Verstand einätzte. Pervers. Komplett am Ende. "Sorry, Ma", murmelte er seiner Mutter zu, als er sich eilig vom Tisch erhob. "Ich muss mal kurz auf die Toilette."

Freitag. Tag der Entscheidung vor dem Senat. Sally hatte ihre KI–Protestler beigesteuert; ein letzter Rettungsversuch. Die Energie in der Menge war zum Schneiden dicht, aufgeregte Rufe von allen Seiten. "Es ist wirklich gut, dass wir hier zusammenkommen konnten." Sie warf Jack ein enthusiastisches Lächeln zu, dass er mit einem kurzen, ruckartigen Nicken erwiderte. Die schwielende Sommerbrise fing sich in ihrem Rock und ließ die Ketten daran leise klimpern. "Also, was genau wollt ihr jetzt hier machen?" Mit einem prüfenden Blick begutachtete sie das kleine, rechteckige Zelt, dass seine Gruppe kurz vor den Stufen des Regierungsgebäudes aufgestellt hatten.

"Überraschung." antwortete er kurz. "Warte einfach."

An der Spitze der Menge, mitten auf der Treppe, trat ein Student im weißen Anzug auf, Trompete in Hand. Das Instrument war makellos rein, zum Höchstmaß poliert, und der Glanz erweckte sofort die Aufmerksamkeit der Menge. Als Stille einkehrte, trat er mit bedächtigen Schritten hinab und riss die Plane der Zeltes herunter. Sie standen alle da, sauber aufgereiht; Fünf Leute in makellos weißen, ausgeliehenen Baumwollanzügen. Fast gleichzeitig richteten sie ihre Köpfe auf, langsam und schlierend. Große, leere Augen blickten hinauf zur Sonne. Er hatte Deacon in die zweite Reihe gestellt in der vagen Hoffnung, dass er seine Aufmerksamkeit nicht anziehen würde. Er sah nackt aus ohne seinen Hut. Das filzige, rostfarbene Haar hing ihm in dicken Strähnen bis zum Kinn.

Der erste Stoß der Trompete: Sichtbar verwirrt wurde ihr Blick von der Posaune angezogen, bevor sie sich eilig zum Podium ausrichteten. Ihre Bewegungen waren unpräzise, treibend, als wären sie unter Wasser. Es war ihnen anzusehen dass sie auf Instinkt liefen, eine Reihe schwammiger Suggestionen, die gelegentlich von einem treibenden klaren Gedanken durchbrochen wurde.

Der zweite Stoß: Etwas kaltes zog sich durch Jacks Brust als er ihn hörte und ließ ihn zusammenzucken. Als sie in ihre Taschen griffen, schien sich die Welt um ihn herum auszublenden; eine Szene die er sehen aber nicht begreifen konnte, deren Logik sein Verstand nicht zusammensetzen wollte, und deren Bewegungen in den nächsten Sekunden sich in von Panik untermalten Standbildern in seinem Gedächtnis zusammenraffen würde. Verchromte Läufe: schwarzes Polymer: glänzende Schweißtropfen.

Der dritte Stoß: Ein letztes Standbild brannte sich ein — Deans ziellos treibende Augen, sie fallen auf die Sonne, der Ausdruck fast pietistisch. Sein Verstand schien in sich zusammenzufallen, bevor er den Knall wahrnehmen konnte. Die Standbilder gingen wieder in Bewegung über, als er die weiße Masse am Boden sah, ganz aus dem Augenwinkel, und sich schnell abwandte.

Die Menge geriet sofort in Panik. Massen an Leuten rannten in jede Richtung davon. Doch als sich die Aufregung gelegt hatte, war der Platz um ihn herum nicht leer: Eine kleine Gruppe stand noch um ihn herum, ein gutes Dutzend Leute, und blickten zwischen ihm und dem Strick aufeinander gefallener Körper hin und her. In ihren Gesichtern konnte er den selben Ausdruck sehen: Angst, zweifellos, vielleicht eher Ehrfurcht. Als wäre vor ihren Augen Jesus höchstpersönlich auf die Erde hinabgefahren und hätte die Entrückung per Kanone begonnen. Etwas regte sich in seiner Brust. Ein prustendes Lachen entwich ihm für einen Moment, bevor er unter den Zuckungen seines Weinens zusammenbrach. Heulend lag er dort, zusammengezogen und hilflos, und blickte auf in die glühende Sonne.